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Vorausdenken
Vorausdenken
den Ferien ihrer Kinder planen können. „Das
fällt uns als Ganzjahresbetrieb gewiss leich-
ter als einem Saisonbetrieb – auch was die
Mitarbeiterbindung betrifft.“
IN JEDER LEBENSLAGE
Grundsätzlich wird im Hotel Schwarz auf
die Lebenslagen der Mitarbeiter geachtet.
„Zuerst haben wir eine Klassifizierung ent-
sprechend dem Alter versucht. Davon sind
wir aber abgegangen, weil zum Beispiel der
Zeitpunkt, eine Familie zu gründen, stark
variieren kann“, so Pirktl. „Manche Mitar-
beiter pflegen Angehörige, dabei ist wieder
eine andere Vorgehensweise notwendig.
Lehrlinge haben wieder ganz eigene Bedürf-
nisse.“
Die Beschäftigten werden in Entschei-
dungen über neue Maßnahmen und Projekte
eingebunden. Die Projektgruppe „Inside“ im
Hotel Schwarz besteht aus der Personal-
abteilung und zehn Mitarbeitern. Gemein-
sam eruieren sie, welche Faktoren notwen-
dig sind, um gern zu arbeiten. Wichtig ist
Katharina Pirktl zufolge, dass die Mitarbei-
ter einen Sinn im täglichen Tun erkennen.
Neben hausinternen Fort- und Weiter-
bildungen nimmt das Thema Gesundheit
eine wichtige Rolle ein. Das Alpenresort
Schwarz ist das erste Tiroler Hotel, das – im
Mai 2017 – die Auszeichnung für Betrieb-
liche Gesundheitsförderung erhalten hat.
„Zwar kann jeder Einzelne etwas für seine
Gesundheit tun, dennoch kommt dem Un-
ternehmen eine gewisse Verantwortung zu.“
Die Ideen stammen laut Pirktl von inspirie-
renden Best-Practice-Beispielen aus der In-
dustrie und demBankensektor.
DIGITALES RECRUITING
Der Pitztaler Valentin Schütz schlägt hin-
gegen einen ganz neuen Weg ein, um das
Recruiting im Tourismus zu vereinfachen:
Mit seinem Start-up Gronda bringt er über
eine Internet-Plattform Jobsuchende und
Unternehmen zusammen. „Meine Eltern
führen selbst einen Gastronomiebetrieb.
Über sie habe ich während meines Studiums
in Deutschland mitbekommen, wie schwie-
rig es sein kann, qualifiziertes Personal zu
finden“, erinnert sich Schütz.
Diese Erfahrung führte vor knapp einem
Jahr zur Initialzündung für Gronda, einer
Karriere- und Lifestyle-Plattform mit Blog.
„Es geht dabei aber nicht nur um die Jobs,
sondern umeinKarrierenetzwerk, Inspirati-
on und Wissen für den Beruf.“ Auf der Platt-
form können sich einzelne User ein Profil
erstellen, Betriebe können dies gegen eine
monatliche Gebühr, die von der Beschäf-
tigtenzahl abhängt, ebenfalls tun. Darüber
hinaus können eigene Mitarbeiter in das
Recruiting eingebunden werden, etwa über
Beiträge, die diese auf ihr persönliches Profil
stellen und von diesem auf ihren Arbeitgeber
verlinken.
So sollen andere User einen authenti-
schen Einblick in verschiedene Unterneh-
men bekommen, umgekehrt können sich
Unternehmen der Online-Community prä-
sentieren. „Das kann einerseits für Recrui-
ting genutzt werden, denn der Algorithmus
schlägt Betrieben passende User vor, ande-
rerseits auch für Employer Branding, zur
Stärkung der Arbeitgebermarke.“
Mittlerweile zählt Gronda mit 20.000
Nutzern zu den größten branchenspezifi-
schen Communitys im deutschsprachigen
Raum. „Monatlich wachsen die Userzahlen
imVergleich zumvorherigenMonat um rund
Im Ötztal will man mit dem dezentralisierten Mitarbeiterprogramm
Navion® als ganze Region dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
Das Start-up Gronda bringt über die gleichnamige Plattform Arbeitsuchende und
Unternehmen zusammen. Dabei geht es jedoch nicht nur um Jobs, sondern vielmehr
um ein branchenspezifisches Karrierenetzwerk inklusive Blog.
20 bis 25 Prozent“, so Schütz weiter. Zudem
sind aktuell über 200 Betriebe vertreten.
„Das Feedback ist äußerst positiv. Und das,
obwohl wir noch am Anfang stehen und die
Plattform ständig weiterentwickeln.“
EINE OPTION FÜR ALLE BETRIEBE
Im Ötztal fährt man mit Navion® wiede-
rum eine andere Strategie: Es handelt sich
dabei um ein dezentralisiertes Mitarbeiter-
programm mit Weiterbildung, Sportkursen
und gemeinsamen Ausflügen. Doch das Pro-
gramm ist nicht für Hotels alleine gedacht,
sondern für die gesamte Destination. Das
gemeinsame Ziel: als Region dem Fachkräf-
temangel entgegenzuwirken. „Das hat es in
dieser Form noch nicht gegeben. Vor allem
für kleine Betriebe eröffnen sich ungeahnte
Möglichkeiten“, so Ötztal-Tourismus-Direk-
tor Mag. Oliver Schwarz.
„Bei uns gibt es etwa 1.500 Mitgliedsbe-
triebe. Die Buchungen stimmen und deshalb
wohl auch das touristische Angebot“, erklärt
Schwarz weiter. „Doch in Gesprächen kam
„In Gesprächen kamheraus,
dass die Betriebe leichter
Gäste finden als qualifizierte
Mitarbeiter.“
Mag. Oliver Schwarz, Geschäftsführer
TVB Ötztal Tourismus
© ÖTZTAL TOURISMUS
„Monatlich wachsen die Userzahlen im
Vergleich zum vorherigenMonat um rund
20 bis 25 Prozent.“
Valentin Schütz
heraus, dass die Betriebe leichter Gäste fin-
den als qualifizierte Mitarbeiter.“ Daher lief
während der Saison 2015/16 eine Testphase
in Hochsölden. Dort gibt es sechs Betriebe
und 600 Gästebetten auf über 2.000 Höhen-
metern. „Im letzten Jahr habenwir versucht,
dieses Modell auf das gesamte Ötztal auszu-
weiten.“
WEITERBILDUNG IM FOKUS
Hinter Navion® steht ein Modell, das im
Grunde auf Aus- und Weiterbildung fußt.
Darunter fallen einerseits fachliche Qualifi-
kationen wie Sprach- oder Sommelierkurse.
Andererseits spielen auch Gesundheit und
Wohlbefinden des Mitarbeiters eine wesent-
liche Rolle. Zusätzlich gibt es beispielsweise
gemeinsame Ausflüge.
Das Modell wurde auch mit einemPunk-
tesystem verbunden. Jeder Kursteilnehmer
bekommt Punkte und am Ende der Saison
werden Gewinne verlost, beispielsweise Rei-
sen oder ein Wochenende mit einem beson-
deren Auto.
MEHRWERT SCHAFFEN
Betriebe können ihr Personal gegen eine
Gebühr bei dem Programm anmelden. So
soll den Mitarbeitern ein Mehrwert gebo-
ten werden. „Es gibt den Arbeitsplatz samt
Entlohnung und zusätzlich das Weiterbil-
dungsprogramm. Ziel ist es, einen Anreiz
zu setzen, damit Fachkräfte ins Ötztal zum
Arbeiten kommen, wiederkommen und viel-
leicht bleiben.“
Im ersten vollen Jahr nahmen 14 Be-
triebe und 150 Mitarbeiter am Programm
teil. „Das ist in Summe natürlich noch
nicht, was man sich bei rund 1.500 Mit-
gliedsbetrieben wünscht.“ Doch Schwarz
ist guter Dinge, dass das Programm gut an-
genommen wird: „Im Ötztal ist es meist so,
dass es zwar etwas dauert, aber wenn es
funktioniert, dann richtig. Das war bei der
Ötztal Card für Gäste anfangs ähnlich und
inzwischen sind aktuell 300 Unternehmen
dabei.“ Zudem müsse man an Navion® inso-
fern noch arbeiten, als dass man beispiels-
weise mit dem Qualifizierungsverbund oder
der Österreichischen Hoteliervereinigung
die Kurse noch weiter verbessert. „Die Vi-
sion ist, dass das Programm irgendwann
zu einem Ötztaler Gütesiegel wird und es
dafür ausschlaggebend ist, dass Mitarbei-
ter zu uns in die Region arbeiten kommen.“
Text: Eva-Maria Hotter
„Gronda kann einerseits für
Recruiting genutzt werden,
denn der Algorithmus schlägt
Betrieben passende User vor,
andererseits auch für Emplo-
yer Branding, zur Stärkung
der Arbeitgebermarke.“
Valentin Schütz, Geschäftsführer Gronda
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